Während staubsaugende Roboter zuhause von den meisten als durchaus nützlich wahrgenommen werden, werden Roboter im Arbeitsumfeld zunehmend auch als Bedrohung wahrgenommen. Roboter werden immer menschlicher und intelligenter. Viele Arbeitnehmer sorgen sich um ihre Zukunft und haben Angst, dass auch sie bald durch einen Roboter ersetzt werden könnten. Eine unbegründete Panik oder eine berechtigte Sorge? Wie ist die Situation in der Schweiz und welche Fähigkeiten werden auch in Zukunft gefragt sein?
Die Angst, dass arbeitende Roboter mehr Stellen vernichten, als sie schaffen, ist verbreitet: 55 % glauben dies gemäss einer Befragung des Verbands «Angestellte Schweiz». Nur 11 % erwarten, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, als wegfallen. 26 % gehen davon aus, dass es so bleibt, wie es ist. Ein Grossteil der Befragten kann sich einen Roboter zudem als Berater, aber nicht als Chef vorstellen. Eine klare Mehrheit von 56 % der Befragten ist zudem der Meinung, dass Roboter so programmiert werden müssen, dass sie sich ethisch korrekt verhalten. Das ist wohl einer der Schlüssel zur Akzeptanz der Roboter. 17 % finden auch, dass man Roboter für ihr Verhalten rechtlich belangen können soll.
Ob ein Job durch einen Roboter ersetzt wird, kommt ganz auf die Tätigkeit und die Branche an. Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass insbesondere repetitive und administrative Tätigkeiten leicht automatisiert werden können, beispielsweise Aufgaben von Sekretär/-innen, Buchalter/-innen oder Jurist/-innen. Ausserhalb der Büroumgebung sind es vor allem Jobs im Einzelhandels- und Lagerbereich, mit deren Automatisierung Unternehmen wie McDonald's in den letzten Jahren ausgiebig experimentiert haben. Im Logistikbereich wird derweil auch der Einsatz von Drohnen immer wichtiger, und in den Fabrikhallen verschwimmen die Grenzen zwischen digitalen und physikalischen Arbeitsabläufen zusehends. Der Fabrikarbeiter werkt Hand in Hand mit dem Roboter, der rund achtmal weniger kostet als er.
Im Kundenservice werden heute regelmässig Chatbots eingesetzt. Im Restaurant werden Bestellung und Bezahlung bequem via Tablet abgewickelt und an der Selbstbedienungskasse im Supermarkt wird der gesamte Einkauf ohne Hilfe einer menschlichen Kassiererin erledigt. Roboter sind aber auch in sozialen Bereichen wie der Pflege auf dem Vormarsch. So werden etwa Pflegekräfte durch Maschinen entlastet, die Menschen beim Gehen helfen oder bei der Rehabilitation unterstützen.
Trotz hoher Wahrscheinlichkeit, dass Maschinen immer mehr Arbeiten von Menschen übernehmen werden, bleiben die Berufsaussichten gut, wenn ein persönlicher oder individualisierter Mehrwert für den Kunden geschaffen wird. Entscheidend dürfte vor allem sein, in welchem Ausmass eine berufliche Tätigkeit Kreativität, spezielle Kundenbetreuung oder soziale Interaktionen erfordert. Interessant ist auch, dass mehr Technologie nicht zwingend weniger Manpower bedeutet. In der Schweiz sind in den vergangenen 25 Jahren durch den technologischen Wandel mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als verdrängt worden.
Laut Ursula Renold, Bildungsexpertin bei der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich, werden im Zuge der Automatisierung und Digitalisierung vor allem überdauernde Kompetenzen und soziale Fähigkeiten an Bedeutung gewinnen. Wichtiger werden etwa kritisches Hinterfragen, selbständiges Denken und Mut zum Risiko. Entscheidend sei dabei vor allem die Weiterbildung, denn mit der Erstausbildung werden kaum mehr die Weichen für die berufliche Zukunft gestellt.
Die sogenannten «soft skills» werden laut Dr. Elena Hubschmid-Vierheilig, Autorin und Dozentin an der ZHAW, in der digitalen Arbeitswelt als «harte Währung» gehandelt. Sie formuliert sieben Job-Skills der Zukunft, die Künstliche Intelligenz (KI) und Roboter schlechter beherrschen als Menschen.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Trend grundsätzlich in Richtung Automatisierung geht und einige Aufgaben in Zukunft von Robotern übernommen werden. Die Vorstellung, dass Technologie die Notwendigkeit des kreativen Denkens, des Problemlösens, der Führung, der Teamarbeit und der Initiative ersetzen wird, ist im Moment ziemlich weit hergeholt. Diejenigen, die heute in die Arbeitswelt eintreten, sollten anpassungsfähig und wissenshungrig sein. Regelmässige Weiterbildungen sind ein «Muss» geworden. Arbeitnehmer sollten vermehrt technische Fähigkeiten entwickeln und diese im Zuge des technologischen Fortschritts auf dem neuesten Stand halten. Diejenigen, die sich nicht mit Technologie befassen möchten, sollten Karrieren verfolgen, in denen diese weniger eine Rolle spielt oder die Nachfrage nach menschlichen Fähigkeiten und Talenten weiterhin hoch ist.
Quellen